Übeltäter Eisenmangel

Viele Frauen leiden unter Eisenmangel

Eisenmangel macht müde, kann die Haare ausfallen und die Nägel brüchig werden lassen, im schlimmsten Fall verursacht er Depressionen – die Symptomliste des Übeltäters Ferritinmangel ist lang. Wer häufig Blut verliert, läuft Gefahr zu wenig Eisen im Blut zu haben. Deshalb sind 10 – 30 % aller Frauen davon betroffen. Man kann etwas dagegen tun und dem Körper Eisen zuführen.

Therapieformen

Es gibt die Eisentherapie in Form von Tabletten oder Infusionen. Bei vielen Frauen kann der Körper das Eisen über die Tabletten nicht aufnehmen oder sie leiden unter Nebenwirkungen wie Verstopfung, sie sind deshalb auf die Infusion angewiesen. Die Kosten der Therapie sind sehr unterschiedlich. Eine Packung Tabletten kostet wenige Franken, während die Infusion relativ teuer ist.

Umstrittenes Thema

Ab welchem Wert Frau eine Therapie benötigt, ist umstritten. Massgebend für die Abgabe von Eisenpräparaten ist der Ferritinwert. Die offiziellen Empfehlungen lauten: Unter 15 Mikrogramm pro Liter ist eine Therapie angebracht, bei einem Wert von 15 – 30 Mikrogramm pro Liter ist sie nur sinnvoll, wenn die Patientin an Symptomen wie Müdigkeit oder Ähnlichem leidet und ab einem Wert von 30- 50 gelten die Eisenspeicher als voll.

Eisen als Allheilmittel

Es gibt nun „Eisenärzte“, die alle möglichen Krankheiten wie Kopfschmerzen, Nackenverspannungen, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten mit Eisen-infusionen behandeln. Für sie ist erst ein Ferritinwert ab 100 Mikrogramm pro Liter ein vernünftiger Wert. Darunter würden sich bei ihren Patienten keine Verbesserungen in der Gesundheit einstellen.

Alles nur Einbildung?

Auf der anderen Seite stehen Studien, die einen vernünftigen Wert am unteren Rand der Zahlenskala festmachen. Zum Beispiel diese: einer Testgruppe wurden Eiseninfusionen und der anderen Infusionen mit Kochsalzlösung verabreicht. Bei der ersten Gruppe hat sich die Müdigkeit nur verbessert, wenn zuvor der Eisenwert tiefer als 15 Mikrogramm pro Liter war. So fühlten sich 65 % der müden Frauen nach sechs Wochen besser. Allerdings fühlten sich auch 40 % derjenigen Gruppe besser, die „nur Wasser“ bekam. Es stellt sich bei der Eisentherapie demnach auch ein Placebo-Effekt ein.

Passend zur Leistungsgesellschaft – Philosophischer Exkurs

Wenn ein so hoher Bevölkerungsanteil an Eisenmangel leidet, stellt sich die Frage, ob der Normwert falsch ist. Beziehungsweise ist es sinnvoll, diesen Wert mit Eisenpräparaten zu korrigieren oder sollten wir uns einfach mehr zurücklehnen?

Wenn man davon ausgeht, dass in der Natur nichts ohne Grund passiert, könnte es sein, dass die Evolution den tiefen Eisenwert der Frauen so angesetzt hat, um sie anpassungsfähig zu machen. Damit es einen Gegenpart zum kraftstrotzenden und „aggressiven“ Mann gibt, der jagen geht und auf Bäume klettert.

Um in unserer Gesellschaft mitzuhalten, sollen heute aber alle gleich leistungsfähig sein – Männlein wie Weiblein. Insofern passt die Eisentherapie gut in die heutige Zeit, wo viele Menschen ihre Leistungsfähigkeit mit Ernährung, Apps und dem optimalen Trainingsprogramm optimieren.

Medizinisch sind diese Fragen irrelevant, auch nützen sie einer dauermüden Frau nichts – spannend sind sie alleweil.

Unser Umgang mit dem Eisenmangel

Der Ferritinwert ist nur ein Messwert, der bei einem Eisenmangel geprüft werden muss. Zu einem aussagekräftigen Gesamtbild gehört mehr. Wir prüfen erst einmal alle Werte, die dazu gehören und besprechen dann mit der Patientin das optimale Vorgehen.

Grundsätzlich halten wir uns an die Empfehlung: Bei einem Wert von einem Ferritin unter 15 Mikrogramm pro Liter ordnen wir praktisch immer eine Therapie an. Bei allen Werten, die darüber liegen, therapieren wir nur, wenn die Symptome die Lebensqualität einschränken bzw. beachten die Wünsche der Patientin.

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